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Leseprobe „Tanz über dem Wasser“

Leseprobe zu dem neuen Kriminalroman „Tanz über dem Wasser“

Fichte sah sich zu Schulte und denen um, die ihnen gefolgt waren.
„Keiner kommt bitte hinterher. Nur, wenn wir es erlauben.“
Dann steckte er den Schlüssel ins Schloss. Eine leichte Drehbewegung. Die Tür sprang geräuschlos auf. Absolute Stille empfing sie. Ein Lichtschimmer kroch durch die Ritze unter einer Tür und malte gespensterhafte Figuren auf den Boden, die still und geheimnisvoll vor ihnen ausgebreitet lagen. Der Beruf als Kriminalbeamter brühte ab. Sonst wäre Fichte in diesem Moment ein Schauer über den Rücken gelaufen. Es roch modrig. Wie länger nicht gelüftet. Hatte Schulte nicht behauptet, die Vermieterin noch vor zwei Tagen gesehen zu haben? Wohl doch vor längerer Zeit.
„Hallo, Frau Ahlers“, rief Fichte laut, so dass es in der ganzen Wohnung zu hören sein musste. Keine Antwort. Nur eine unheilvolle Vorahnung schlich vom Boden seine Beine hoch bis zum Brustkorb und gab ihm die Gewissheit, eine Tote zu finden. Langsam und angespannt gingen Fichte und seine Kollegen durch die geräumige Diele auf den Wohnraum zu. Die Tür stand offen. Einen Moment blieben sie stehen und bemühten sich, Einzelheiten zu erkennen. Stand dort ein Mensch? An der Wand?
Instinktiv griff Fichte zur Waffe. Mit der anderen Hand knipste der den Schalter der Deckenleuchte an. Im selben Moment, in dem warmes Licht den Raum überflutete, ertönte der laute Knall von zersplitterndem Glas. Wie im Reflex richteten sich drei Waffen auf die Mitte des Raumes. Doch aufatmend stellten die Männer fest, kein Schuss, kein Mensch, nur eine geplatzte Glühbirne. Glassplitter lagen auf Tisch und Boden. Die Anspannung hatte Geister gerufen, die sich in der Helle in Nichts auflösten. Sie atmeten auf und steckten die Waffen ins Futteral.
Rosen leuchteten in verblassendem Gelb aus einer Vase auf dem Tisch. Sie ließen die Köpfe hängen. Vielleicht hatte Frau Ahlers vergessen, ihre Stängel einzuschneiden. Das vertrugen Rosen nicht. Vor dem Fernseher stand ein ausziehbaren Sessel aus weißem Leder. Auf der Lehne lag eine Hand. Eine weiße, gepflegte Hand mit rotlackierten Nägeln. Frau Ahlers war tot.

Wenig später befragte Fichte die Leute im Treppenhaus.
„Hat jemand von Ihnen gestern Ungewöhnliches im Treppenhaus bemerkt?“
Alle verneinten. In diesem Augenblick schwankte Frau Merten und drohte zusammenzubrechen. Ihr Mann fing sie auf und begleitete sie nach oben in ihre Wohnung.
„Keine Geräusche aus der Wohnung, das Rücken von Stühlen, Schritte, laute Stimmen oder ein Hilferuf vielleicht? Überlegen Sie gut.“
Kopfschütteln von allen.
„Sind Ihnen fremde Personen im Treppenhaus aufgefallen oder an der Haustür? Hat jemand nach Frau Ahlers gefragt?“
Auch nichts.

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