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Rezensionen ‚Das Flüstern der Sterne‘

Ich weiß nicht, gehört der Roman überhaupt hier hin? Eigentlich ist es ja ein Krimi, die Fortsetzung von Tanz auf dem Wasser, an dessen Ende ich schrieb: „Der Fall kommt zu einem ordentlichen Abschluss, aber es bleibt spannend bis zur allerletzten Seite. Der „private Erzählstrang“ bricht an seinem Höhepunkt ab; hier gibt es kein happy ending, auch wenn es nicht ausgeschlossen erscheint. Vielmehr möchte ich das offene Ende so deuten, dass Renate Lanius eine Fortsetzung erwägt, die dann genau da ansetzt, wo dieser Fall aufhört.“ Sie hat mir den Gefallen getan, die Fortsetzung ist im Frühjahr im
Wurmloch Verlag erschienen, und sie setzt tatsächlich da an, wo der „Tanz“ aufhörte. Vorweg: Es ist eine würdige Fortsetzung. Der neue Fall ist spannend; unaufgeregt erschließt er sich vor Florian Fichte, dem Kommissar. Es ist nicht mal sicher, dass es überhaupt ein Mord war oder ob die junge Frau nur unglücklich gestürzt ist. Wären da nicht die lauten Stimmen, die ein Zeuge gehört haben will. Fichte ahnt, dass etwas hinter dem Tod der Schwangeren steckt, er macht sich auf eine mühselige Spurensuche… Soweit der Krimi.
Daneben aber verläuft die Handlung auf der privaten Ebene, denn Fichte hat Probleme. Im letzten Fall hat er Barbara kennen gelernt; kennen und lieben. Sie, Barbara, seine Geliebte, fasziniert ihn immer noch, und nachdem seine Frau ihn verlassen hat, wäre der Weg zu der Geliebten eigentlich frei. Aber kann es eine Zukunft für die beiden geben, eine Zukunft mit Schatten, „wie ein Beet voll Rosen, in dem Disteln wuchern“? Es ist eine geglückte Verbindung von spannendem Krimi und Beziehungsroman, die sich im menschlichen Verhalten der Charaktere trifft und die Erzählung so lesenswert macht, die ehrliche, schlichte Auseinandersetzung mit sich selbst, mit Verantwortung, mit Familie, mit großen Gefühlen. Am Ende geht etwas zu Ende, gefolgt von einer tiefen Einsicht.
„Das Erlebte würde Bestandteil ihres und seines Lebens bleiben. Es würde wie ein wehmütiges Lied ab und zu in ihrem Inneren erklingen. Einschneidende Geschehnisse waren wie Lebensringe in Bäumen. Sie waren nicht auszulöschen. Sie prägten den Baum und gaben ihm sein Gesicht.“

Astrid van Nahl auf Alliteratus.com – Online-Magazin rund um Literatur und Medien

Als sich in den frühen Stunden eines Apriltags der Nebel über dem Rheinufer von Köln lichtet, wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Es ist Sarah Brand, die Frau eines Kölner Rechtsanwalts. Sie liegt am Fuß einer steilen Steintreppe in Höhe der Bastei. Ist es ein Unfall? Oder ist die Tote Opfer einer Straftat geworden? Trotz Zeugen bleiben Zweifel an einem Fremdverschulden.
Der Leser folgt nun dem Kölner Hauptkommissar Florian Fichte auf der Spur einer Vergangenheit, die das chaotische und zerstörerische Leben der Toten aufzeichnet. Einige Weggefährten haben durchaus Grund, Sarah aus dem Weg zu räumen. Ist es einer von ihnen?
Im Wirrwarr menschlicher Schwächen und im Netz von Liebe, Hass und Leidenschaft zieht sich eine ungewöhnliche Handlung wie im Bogen durch das Buch.
Die Autorin zeichnet klare, sehr konträre, aber glaubhafte Charaktere. Sie überrascht mit frechen Dialogen. Ihr Stil ungeschminkt, sehr direkt, mit viel Herz und durchaus mit Hang zur Romantik. Ihre Lebenserfahrung und Menschenkenntnis scheinen Grundlage dieser ungewöhnlichen Kombination von Krimi und Beziehungsroman zu sein.

Eine außergewöhnliche Geschichte, ein außergewöhnliches Buch. Fesselnd bis zur letzten Seite, lesenswert, einfach gut!

Bernd Reuter (Geschäftsführer Galeria Kaufhof Gera)

Erschienen im Wurmloch Verlag 2015  • Preis: 9.95 € • ISBN: 978-3-9816337-2-6

 

 

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